Erfahrungsbericht zu Zweitmeinungen

Hallo,

ich wollte hier meine Erfahrung schildern, die ich in der letzten Woche bei unterschiedlichen Ärzten gemacht habe hinsichtlich Myomen und Handlungsempfehlungen.

Ich habe schon seit Jahren zwei mittelgroße Myome mit zunehmender Regelblutung, daraus resultierender Anämie und körperlicher Schwäche. Meine Gynäkologin verneinte bei der letzten Untersuchung vor anderthalb Monaten die Möglichkeit einer organerhaltenden OP, sagte, die Wundflächen würden zu groß sein. Sie verschrieb mir die Pille, die die Regelblutung auch ganz gut bremst. Ich möchte aber mit 40 Jahren nicht noch evtl. 10 Jahre Hormone nehmen bis zu den Wechseljahren. Außerdem hatte meine Mutter in meinem Alter auch starke Blutungsbeschwerden durch Myome, die von Hormonen irgendwann nicht mehr gebremst werden konnten. Folge war ein lebensbedrohlicher Blutsturz mit Not-Op im Krankenhaus, wenig später dann die Gebärmutterentfernung. Die Aussicht auf einen möglichen derartigen Verlauf ist natürlich nicht sehr erfreulich.

Da ich nun die Möglichkeiten einer operativen Entfernung
(als Alternative zur konservativen Therapie mit Hormonen) bei Spezialisten in Erfahrung bringen wollte, machte
ich gleich zwei Termine in Myomsprechstunden aus, einen in einer renommierten Hamburger Tagesklinik, einen im Albertinen Krankenhaus in Hamburg.

Die kurze Untersuchung (Ultraschall) in der Tagesklinik fand bei einer jungen Ärztin statt, die freundlich und sachlich meinen Fall aufnahm und dann kurz den Untersuchungsraum verließ.
Nur wenige Sekunden später kam sie mit dem Chirurgen zurück,
der leider einen angespannten Eindruck machte und sich nur in den Raum
stellte und in wenigen Minuten erläuterte, dass man mit dem Befund nicht organerhaltend
operieren könne und nur eine Gebärmutterentfernung vornehmen könnte, er malte eine kurze Skizze, wie
dies verlaufen würde. Ich fragte, ob man denn mit diesem
Befund einen möglicherweise noch bestehenden Kinderwunsch komplett abschreiben könne, würde man die Gebärmutter so behalten und er meinte nach kurzem Zögern "ja".
Ich war mir unsicher, da Kinderwunsch trotz meines Alters latent noch vorhanden (einige Freundinnen von mir sind in diesem Alter noch schwanger geworden) und ich auch generell nicht leichtfertig ein Organ entfernen lassen möchte. Auch fragte ich nach alternativen Behandlungsmethoden wie der Embolisation oder dem fokussierten Ultraschall. (Da auf der Homepage der Klinik steht, dass mit dem Patienten in einem "individuellen Therapiekonzept" besprochen wird, ob diese Behandlungsmethoden infrage kommen.)

Daraufhin meinte der Arzt, dass sie dies nicht anbieten würden, ich mich
aber in einem bestimmten Krankenhaus (Hamburg Albertinen) darüber informieren könne. Ob es für mich geeignet ist oder nicht, sagte er mir nicht. Er erklärte den Ablauf bei einer Embolisation,
dass diese sehr schmerzhaft sei und und sagte dazu "Das wollen Sie nicht".
Ich war etwas überrascht, denn ob die Patientin bereit ist, stärkere Schmerzen in Kauf zu nehmen für ein alternatives Ergebnis, kann und sollte diese meiner Meinung nach selbst entscheiden.

Ich habe dann zunächst einem OP-Termin in der Tagesklinik zugestimmt (für mich innerlich unter Vorbehalt).
Wenige Minuten daraufhin erfolgte bereits das Anästhesiegespräch.
Die Anästhesistin hörte meine Zweifel bezüglich der OP heraus und meinte: "Naja,
bei Myomen ist dies ja nun sinnvoll."

Ein paar Tage später hatte ich einen Termin in der Myomsprechstunde
im besagten anderen Krankenhaus. Der Arzt (und gleichzeitig Operateur) untersuchte mich um einiges
gründlicher als in der Tagesklinik, setzte sich vor und nach der Untersuchung
ruhig mit mir zusammen, ohne jeglichen Zeitdruck, ich konnte alle Details, Fragen, Sorgen
ansprechen.
Ich bereitete mich auf eine ähnliche Behandlungsempfehlung vor.
Nach der Untersuchung war der erste Satz des Arztes: "Also, man kann das organerhaltend operieren, dies
ist kein besonders ausgefallener Befund, wir machen es minimalinvasiv (eine Übernachtung im Krankenhaus), es kann sein, dass während der OP auf Bauschnitt umgeschwenkt werden muss, falls man minimalinvasiv
nicht alles erreicht (dann 3 Tage Krankenhaus). Drei Monate nach dem Eingriff können sie dann die Schwangerschaft angehen."

Ich war komplett baff.
In den kommenden Wochen lasse ich die OP machen. Wenn ich daran denke,
dass ich mir nach einer Hau-Ruck-Untersuchung und -Beratung
die Gebärmutter hätte entfernen lassen, wird mir jetzt noch ganz mulmig.
Also mein Fazit: Immer noch eine weitere Meinung einholen und nichts überstürzen,
vorausgesetzt, man steht nicht unter Zeitdruck, da z.B. bösartiger Befund oder Notfall (für beide Beratungstermine war die Wartezeit ca. 6 Wochen, ich hatte mir beide Termine zur Sicherheit parallel geholt).

Lg

Hier nun, wie es weiterging.
Ich bin mittlerweile vor einer Woche komplikationslos und rein minimalinvasiv per Bauchspiegelung operiert worden. Gebärmutter ist noch drin und alle Myome entfernt (während der Bauchspiegelung entdeckte der Chirurg sogar noch ein drittes, welches nicht auf dem Ultraschall zu sehen war). Ich wurde zwei Tage stationär aufgenommen. Hätte mir nicht vorstellen können, noch am gleichen Tag nach Hause zu gehen. Schmerzen nach dem Aufwachen hatte ich bis auf leichtes Bauchziehen beim Aufrichten (ähnlich wie Muskelkater) keine, aber der Kreislauf war noch geschwächt und es tat gut, sich im Krankenhaus noch etwas versorgen zu lassen. Außerdem wurde während der OP noch eine Drainage gelegt, damit die Wundflüssigkeit abfließen kann, die auch zwei Tage dran blieb, aber nicht schmerzte (auch das Entfernen nicht).
Der OP-Tag selber war auch sehr entspannt, kein langes Warten, einfach eingeschlafen (unter Händchenhalten eines sehr netten Anästhesie-Teams : ), wieder aufgewacht, Myome weg, winzige Einstichstellen, wobei man sich wirklich fragt, wie das funktionieren kann, ein Wunderwerk.
Die Lagerung im OP und alles weitere, was für einen evtl. gruselig sein könnte, bekommt man nicht mit.

Lg